Hansei: Retrospektiven zur Selbstreflexion nutzen

In der vergangenen Woche habe ich erneut einen Personal Kanban Workshop gegeben. Darin geht es nicht nur um das Erstellen eines persönlichen Kanban, dass Verstehen der eigenen Aufgaben oder das Beschriften von Post-its, sondern vor allem um den Blick auf sich selber: Die Auseinandersetzung mit der eigenen Arbeit, dem Arbeitsumfeld, der persönlichen Arbeitsorganisation, also einer reflektierenden Wahrnehmung des eigenen Handelns.

Vielen Teilnehmern wird dabei erst (wieder) bewusst, dass sie selber den Stein der Veränderung ins Rollen bringen können und müssen.

„Success can only be achieved through repeated failure and introspection.“ (Soichiro Honda)

Persönlicher Brief an Teammitglieder mit Erinnerung an selbstgestecktes Ziel

Die Teilnehmer von Zeit- und Selbstmanagement Seminaren wissen im Grunde sehr gut, was notwendig ist, um sich zu verbessern: die Veränderung der Gewohnheiten. Ganz im Sinne von „Es muss nicht besser werden, wenn es anders wird. Aber wenn es besser werden soll, muss es anders werden.“ oder „Wenn du das machst, was du immer machst, kriegst du auch immer, was du immer kriegst.“

Toyota hat den Begriff „Hansei“ (jap. „Selbstreflexion“) mit dem Toyota Production System geprägt. Hansei dient dazu, sich seiner eigenen Schwächen im Klaren zu sein und sich dies zu Nutze zu machen, um kontinuierliche Verbesserung (Kaizen) zu erreichen.

Retrospektiven sind das Mittel meiner Wahl, um die Teams und Unternehmen die ich begleite durch ständiges Inspizieren und Adaptieren die Selbst- oder Teamreflexion voranzutreiben. Dabei lasse ich die Beteiligten auch gerne gezielt sich selber einschätzen.  In den Retrospektiven nutze ich gerne die Frage „Was habe ich in den vergangen Tagen gelernt?“ oder auch „Was weiß ich jetzt, was ich vor dem letzten Sprint noch nicht wusste?“ für den Rückblick und die eigene Reflexion. Für den Ausblick verwende ich oftmals die Frage „Was nehme ich mir persönlich für die nächsten zwei Wochen vor?“ oder „Welche meiner Stärken möchte ich wie ausbauen?“, um auch hier das ständige Lernen bei den Teilnehmern zur Routine werden zu lassen.

„… Der Scrum Master bestärkt das Scrum Team darin, seine Entwicklungsprozesse und ‐praktiken innerhalb des Scrum Prozessrahmenwerks zu verbessern, um im kommenden Sprint effektiver und befriedigender arbeiten zu können…“ (Auszug aktueller Scrum Guide)

Die Antworten der Teilnehmer hebe ich immer auf und dokumentiere sie, um bspw. bei der nächsten Retrospektive noch einmal darauf einzugehen. Bei einer kürzlich vergangenen Retrospektiven habe ich mir außerdem überlegt, die Menschen auf eine individuellere Art auf ihre Fortschritte hinzuweisen. Für jedes Teammitglied habe ich ein Zitat herausgesucht, dass zum Feedback in der Retrospektive, zur aktuellen Situation der Person oder dem persönlichen Verbesserungswunsch passte. Damit eingeleitet habe ich eine Brief an jeden verfasst, der an die persönliche Verbesserung erinnert und ergänzende Fragen zur Selbstreflexion stellt.

Die Briefe wurden dann im Standup der zweiten Sprintwoche des Folgesprints verteilt und ergaben einen schönen „Aha-Moment“ bei den Beteiligten und hinterliessen ihre Wirkung. Mehr wollte ich in diesem Fall auch erst einmal gar nicht bewirken.

 

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